Der Trarbacher Ungsberg

"Trorbach selbst hat unterschiedliche Hauptberge, welche sehr edlen Rebensaft bringen, darunter fünf die vornehmste: der UNGSBERG, der Aalfang, der Müngenroth, der Mühl- recherberg und der Landfuhrberg. Auf solche Wein nun legen sich meistens die Tror- bachische Kauffleuthe, damit selbe nicht allein sich Nutzen schaffen, sondern auch bey andern grosse Ehr einlegen. Was der Saamen oder die Art der Trauben anbelangt, welche da herum gehalten und den anderen vorgezogen werden, so geben die Moselbewohner den Preiß ihren Rüßlingen, welche gar kleines Beerengewächs haben und wegen deß lieblichen Geschmacks mit gutem Fug Rösling genennt werden möchten."

Derart preist der Leiter der 1573 gegründeten Lateinschule (das heutige Gymnasium), der Magister und Pfarrer JOHANN HOFMANN, den Trarbacher Wein in seiner 1669 veröffent- lichten Heimatgeschichte "TRORBACHISCHE EHREN-SÄUL".

Von den angeführten Lagennamen hat sich bis heute alleine der UNGSBERG in unge- brochener Tradition erhalten können. Daß bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts dort Rieslingtrauben angepflanzt wurden, verdient besondere Beachtung, wird doch die Riesling- traube erst im Laufe des 19. Jahrhunderts zu der beherrschenden Keltertraube im Anbau- gebiet der Mosel und ihrer Nebenflüsse.

CHRISTIAN VON STRAMBERG schreibt 1837 über Traben-Trarbach in seinem Buch das "Moselthal": "Vorzüglich wurde der Weinbau der Gegenstand eines sorgfältigen Strebens; weniger von der Natur begünstigt, denn die Berge sind mehrenteils der Sonne abgewendet, war der Weinbauer hier zu größeren Anstrengungen, zum Nachdenken gezwungen. Was die Natur zu versagen schien, das wurde ihr abgedrungen und gegenwärtig tragen der UNGSBERG (und andere) Weine von der vorzüglichsten Qualität. Dieser Fleiß wurde aber nicht allein Trarbach lohnend, er ist an der ganzen Mosel ein Gegenstand von Belehrung und Nacheiferung geworden."

Der UNGSBERG ist mit 9,1 ha Größe eine recht kleine Einzellage im engen Tal des in Trarbach in die Mosel mündenden Kautenbaches. Er hat südwestliche Exposition und ist eine 100%ige Steillage. Der Weinberg liegt wie ein von der Natur geformter Hohlspiegel im blauen Schieferfels. Der Lagennamen ist römisch-keltischen Ursprungs und nimmt bezug auf die dort angetroffenen Heil- und Salbenkräuter.

In den Besitz des Weingutes MAX FERD. RICHTER kamen Parzellen der Lage UNGSBERG vor 100 Jahren durch Frau Eleonore Richter, geb. Korn, aus Traben-Trarbach. Ihr Groß- vater mütterlicherseits war der Trarbacher Pfarrer PFEIFFER , dem die Weinberge zuvor gehört hatten, und es ist überliefert, daß er allsonntäglich durch die Gemeinde dem Vater- unser die Fürbitte "und bewahre unsern lieben Ungsberg - Amen" anschließen ließ! Heute werden alle UNGSBERG-Weine unseres Hauses ausschließlich "halbtrocken" aus- gebaut. Der TRARBACHER UNGSBERG zeichnet sich dank seines Standortes durch ein betont schieferduftendes Bouquet und einen kräftig-würzigen Charakter aus.



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