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Erntebericht 2003 - Der Jahrhundertjahrgang

Kaum vorstellbar, dass die Qualität der beiden überragenden Jahrgänge 2001 und 2002 nochmals zu überbieten ist! - Dennoch! Der Jahrgang 2003 setzte mit seinem Jahrhundertsommer neue, bisher nicht gekannte Maßstäbe und brachte Herausforderungen, die der Winzer wohl nur einmal in seinem arbeitsreichen Leben erfahren kann.

Nach einem stürmischen Start ins neue Jahr, dem ca. 75% unserer noch im Mülheimer Helenenkloster verbliebenen Eisweintrauben zum Opfer gefallen waren, konnten wir nur einige Tage später (8. Januar) bei -12° C den Eiswein 2002 ernten. Diesem kurzen Kälteeinbruch folgte ein relativ milder Winter mit ausreichender Nässe. Bereits im März schien die Sonne weit häufiger als im langjährigen Mittel - und sie blieb! Die Rekorde an Sonnenscheinstunden und hohen Temperaturen sollten für die gesamte Vegetationsperiode bestimmend bleiben, unterbrochen von einer kurzen und heftigen Regenperiode im Mai.

Das Wachstum der Reben setzte ausgangs des Monats März sehr zeitig ein und das "Ergrünen" der Rebhänge wurde bereits Ende April festgestellt - 14 Tage früher als üblich. Die Rebblüte verlief problemlos binnen wochenfrist zu Anfang Juni. Von da an war eigentlich klar, dass wir mit einem guten Jahrgang würden rechnen können. Der Vegetationsvorsprung hatte drei Wochen erreicht und behielt diesen Vorsprung bis zur Ernte.

Wegen der perfekten Blüte -alle Gescheine wurden befruchtet - führten wir ein erstes Ausdünnen durch und entfernten überschüssige Fruchttriebe. Einem in unserer Region ausreichend feuchten Juni folgte ein deutlich zu warmer und trockener Juli sowie ein von Jahrhunderthitze geprägter August: Dieser Monat brachte 26 Sommertage mit mehr als 25° C (üblich sind 4 bis 5), darunter 11 Tage in Folge mit mehr als 35° Celsius. Eine derartige Aneinanderreihung von Sonne und Hitze hatte es weder 1976, 1959, 1949, 1947 noch 1921 gegeben! Nein, seit Aufzeichnung der Wetterdaten vor über 100 Jahren hatte es einen solch heißen und trockenen Sommer noch nie gegeben.

Die Kehrseite der Hitze waren Trockenstress und Verbrennungen an Reblaub und Trauben. Zur Entlastung der Rebstöcke führten wir im August eine "vendange verte" durch und schnitten Sonnenbrand geschädigte Trauben und welkes Laub ab. In extrem trockenen Lagen versuchten wir durch Wässern den Reben zu Hilfe zu kommen und durch häufiges Grubbern der Verdunstung von Bodenfeuchtigkeit vorzubeugen.
Die Reifeentwicklung der Trauben wurde durch einen "Altweibersommer" im September weiter befördert, so dass wir am 7. Oktober mit der Ernte beginnen konnten - weit früher als an Mosel, Saar und Ruwer üblich. Die Traubenlese verlief problemlos, auch wenn der Oktober durch einen vorzeitigen Kälte- einbruch der Vegetation ein ziemlich abruptes Ende setzte. Die letzten Trauben (mit Ausnahme des Eisweines) brachten wir am 11. November ein.

Unsere Erwartungen an Qualität und Quantität wurden weit übertroffen: Alle Moste lagen zwischen 90° - 115° Oechsle, der häufigste Wert bei glatt 100°! Ein solches Ergebnis haben wir in unserem Betrieb noch niemals einbringen können. Am ehesten vergleichen lassen sich diese Werte noch mit denen des Jahrgangs 1959. Nach den Vorgaben des Weingesetzes haben wir nur "Auslesen" geerntet. Uns kommt nunmehr die Aufgabe zu, durch Abstufungen eine Gliederung vom Qualitätswein, über den Kabinett- und Spätlesewein bis zur Auslese vornehmen zu müssen. Es versteht sich von selbst, dass damit Quervergleiche zu Prädikaten anderer Jahrgänge nicht ganz "fair" ausfallen werden. Die hohe Reife hat auch die Ernte von edelsüßen Weinen begünstigt: Unsere Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Trockenbeerenauslese kam auf über 250° Oechsle!

Die Entwicklung der Säuregehalte hatte im Hinblick auf die bevorstehende Ernte zur Sorge Anlass gegeben. Die EU-Kommission ermöglichte auf Antrag Frankreichs schnell und unbürokratisch erstmals den Zusatz von Weinsäure zur Stabilisierung von Mosten und Weinen, wovon auch die deutschen Winzer Gebrauch machen konnten. Auch wir nutzten diese Möglichkeit, wenn auch weit weniger häufig als zuvor befürchtet, und setzten einzelnen Mosten vor der Gärung Weinsäure zu, um eine harmonische Fruchtbalance zu erzielen.

Trotz des Ausdünnens nach der Blüte, der "vendange verte" im August und des strengen Selektionierens während der Lese haben wir mit 60 hl/ha einen ähn-lichen Ertrag wie 2002 ernten können. Damit hatten wir aufgrund der Trocken- heit nun überhaupt nicht gerechnet. Die "Winzerweisheit", dass bei geringen Mengenerwartungen, das Ergebnis dann noch bescheidener ausfällt, hat seit dem Ausnahmejahr 2003 auch seine Gültigkeit verloren.

Die ersten Proben der Jungweine bestätigen unsere hohen Erwartungen. Der Jahrgang 2003 wird die steigende Nachfrage nach Rieslingweinen im In- und Ausland weiter beflügeln. - Halten Sie uns die Daumen, dass uns nun auch die Eisweinernte gelingen möge. Dazu bedarf es aufgrund der hohen Ausgangsreife der Trauben eines sehr kräftigen Frostes. Aber das Problem kennen wir seit 1976: Damals waren wir das einzige Weingut an Mosel-Saar-Ruwer, dem eine Riesling-Eisweinernte gelang!

Ihnen und Ihren Angehörigen wünschen wir ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2004! Ihr Dirk Richter (2.Dez. 2003)

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