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Erntebericht 2004 - Der Weinjahrgang für jeden Tag

Das Schaltjahr 1960 rückte die Weinmaßstäbe wieder zurecht, die der Ausnahme- und Jahrhundertjahrgang 1959 in schwindelerregende Qualitätshöhen hatte klettern lassen. Geschichte wiederholt sich nicht; dennoch bietet das Vergleichspaar 2004 und 2003 exakt dieselbe Erfahrung mit der Unterscheidung, dass die Qualitätsansprüche von Verbrauchern und Winzern in den letzten 40 Jahren stark angestiegen sind. Die damit einhergehenden berechtigten Erwartungen an den neuen Jahrgang 2004 werden vollauf erfüllt.

Erfreulich zuförderst, dass unser Keller nach den mengenmäßig kleinen Ernten 2000 - 2003 wieder ausreichend bestückt ist, so dass wir rundherum lieferfähig sind und das Preisniveau stabil halten können. Obwohl Sie den Sommer 2004 sicherlich - auch wegen der noch frischen Erinnerung an die Hitze des vergangenen Jahres - nicht in besonders guter Erinnerung behalten haben werden, bleibt festzuhalten, dass die Vegetation durch warme, über dem langjährigen Mittelwert liegende Temperaturen und ausreichende Feuchtigkeit nachhaltig gefördert wurde.

Ein trocken-warmer Herbst sorgte dann dafür, dass die Rieslingrebe den Jahrgangsendspurt erneut zu ihren Gunsten entscheiden konnte: Die grünen Weinberge luden geradezu ein, den Lesebeginn um gut drei Wochen hinauszuzögern und den Ernteschwerpunkt in den Monat November zu legen. Das Ergebnis dieser durchaus risikobehafteten Entscheidung: Mostgewichte im Kabinett- und Spätlesebereich mit reifen Aromen, mineralischer Dichte und rassigen Säurewerten, die für spritzige, lebendige und anregende Rieslingweine stehen werden.

Wir starteten mit der Vorlese zur Ernte unserer Qualitätsweine am 18. Oktober. Der gesunde Zustand von Reben und Trauben erlaubte eine zweite zeitaufwendige Vorlese, um alle sich bietenden Möglichkeiten zur Ernte trockener Prädikatsweine zu nutzen. Ab dem 8. November setzte dann die Spätlese ein, die wir mit Ausnahme der Eisweintrauben im Mülheimer Helenenkloster Weinberg am 24. November beenden konnten. Nach den üppigen 2003er Rieslingen können wir Ihnen ab dem zeitigen Frühjahr einen Jahrgang 2004 anbieten, der den Markt der Alltagsweine nachhaltig beleben wird.

Die Riesling Renaissance schreitet voran. Erstmals seit einigen Jahren erfahren wir auch eine Belebung des heimischen Marktes. Dennoch bleibt - so wie für viele Kollegen aus dem Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer - der Export unser bedeutendstes Geschäftsfeld. Der Höhenflug des Euro und die Schwäche des Dollars machen uns naturgegeben zu schaffen; mit dem Jahrgang 2004 haben wir allerdings die Qualitäten geerntet, die wir trotz der ungünstiger gewordenen terms of trade nachfrageorientiert absetzen können.

Edelsüße Weine haben wir dem Jahrgang 2004 nicht abtrotzen können. Dazu hätte es einer längeren trocken-kalten Wetterperiode bedurft, die sich partout nicht hatte einstellen wollen. Unsere Reserve, die Riesling Trockenbeerenauslese aus der Brauneberger Juffer Sonnenuhr des Jahrgangs 2003 ist noch am gären! Viele Interessenten müssen wir deshalb aufs Frühjahr 2005 vertrösten. Bleibt zu hoffen, dass wir zwischenzeitlich wenigstens eine frostig kalte Nacht zur Eisweinlese erwischen!

Mülheim/Mosel, den 30. November 2004 Dr. Dirk Richter


P.S. Der Eiswein des Jahrganges wurde am 21. Dezember 2004 bei -10° Celsius geerntet.

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