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[Zurück] Erntebericht 2005 - Der Traumherbst der SuperlativeDer Herbst des Jahrgangs 2005 brachte Sonnenschein, Hitze und Wärme: Es schien, als ob der Sommer sich entschlossen hätte zurückzukehren, um endlich den in ihn gesetzten Erwartungen zu entsprechen. Die Sonne leistete Überstunden und die Temperaturen lagen im September und Oktober durchgängig über 20° Celsius.
Die Weinberge hatten seit der frühen und zügigen Blüte Mitte Juni durchweg einen Entwicklungsvorsprung von 14 Tagen erreicht, so dass der "Goldene Oktober" zu einem für die Mosel frühen Lesebeginn der Rieslingtrauben einlud. Wir starteten am 10. Oktober und kelterten bereits am 3. November die letzten Trauben. Die Erntemenge ist hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben: Mit 55 hl/ha haben wir unterdurchschnittlich geerntet – etwa einen halben Liter/qm.
Niemals zuvor sind im Weingut Max Ferd. Richter derart reife und zuckersüße Trauben geerntet worden: Das gewogene Durchschnittsmostgewicht liegt über 100° Oechsle, höher als im Jahre 1959, höher als 1976, höher als 2003. Regengüsse zur rechten Zeit in Juli, August sowie Mitte September verhinderten Trockenstress und sorgten dafür, dass Säurebildung und gute Mineralisation der Beeren weit rassigere und vielschichtigere Weine erwarten lassen als im Jahre 2003. Bereits vom ersten Tag der Lese an konnten wir edelfaule Beeren auslesen: Das ist alles mühevolle Handarbeit! Wir ernteten eine Fülle von Botrytisweinen.
Erstmals seit 1984 ließen wir keine Eisweintrauben mehr im Mülheimer Helenenkloster hängen. Das Risiko, recht bald knackige Frostnächte zu erleben, die in der Lage sein würden, die hochreifen Beeren zu frieren, schien uns angesichts der allgemeinen Wetterlage doch zu groß. Wir werden Sie jedoch mit Beeren- und Trockenbeerenauslesen aus Mülheimer, Graacher und Brauneberger Weinlagen reichlich entschädigen!
Der Jahrgang 2004 mit seinen feinrassigen, fruchtigen und frischen Rieslingen hat bei unseren Kunden für so viel Freude und Nachfrage gesorgt, dass wir uns über eine Fortsetzung gefreut hätten. Allein, die Natur folgt ihren eigenen Gesetzen und somit haben wir einen Jahrgang im Keller, der allerhöchste Ansprüche auf Jahre hinaus wird befriedigen können, aber eben kaum Alltagsweine brachte. Zum Glück sind wir bei Kabinett- und Spätleseweinen aus dem Jahrgang 2004 noch gut bestückt.
Die ununterbrochene Reihe bester Weinjahrgänge seit 1988 lässt doch darauf schließen, dass wir einem Klimawandel unterliegen. Der bringt uns Winzern neue Herausforderungen, auch wenn auf den ersten Blick hohe Mostgewichte für heitere Mienen sorgen. Wir haben z.B. mit einer für uns neuen Rebkrankheit: der Schwarzfäule zu kämpfen. Bis vor kurzem war sie an Mosel, Saar und Ruwer gänzlich unbekannt; sie ist aus mediterranen Anbaugebieten zu uns gekommen.
Dass der Riesling aus Deutschen Landen weltweit ein Renner ist, darauf haben wir in den zurückliegenden Berichten immer wieder hingewiesen. Die Riesling Renaissance schreitet ununterbrochen voran!
Mülheim/Mosel, den 23. November 2005
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