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Erntebericht 2006 - Der Klimawandel ist da!

Eine solch schnelle Ernte hatte es im Weingut Max Ferd. Richter noch nicht gegeben:
Binnen 20 Tagen wurden alle Weinberge abgeerntet. Jede verfügbare Hand war nötig, um den Wettlauf gegen die Edelfäule zu bestehen.

Die Vegetation 2006 hatte im April sehr zögerlich eingesetzt, um dann in einem nassen und warmen Mai schnell voranzuschreiten. Der Juni brachte eine zeitige und erneut perfekte Blüte; er war sehr trocken und 5° C wärmer als üblich. Im Juli folgte ein Bilderbuchsommer. Die Quecksilbersäule stieg jeden Tag über 25° C! Wir wünschten uns nichts sehnlicheres als Regen! - Der kam auch prompt am 1. August und begleitete uns den ganzen Monat. Es war der kühlste und nasseste August seit über 20 Jahren. Für die Natur war dieser August wie ein 2. Frühling: Das Wachstum setzte erneut ein und die bereits prallen und perfekt ausgebildeten Beeren wuchsen weiter und füllten sich zum Bersten. Wir führten eine 2. Grünernte durch und begannen mit dem Entblättern der Traubenzone, um die Beeren freizustellen und für eine günstige Durchlüftung der Rebzeilen zu sorgen.

Die Reifephase im September war durch einen sonnenreichen, trockenen und sehr warmen Spätsommer gekennzeichnet. Allerdings blieben die Nächte so warm, dass die Veratmung der Säure nicht voranschritt. - Am ersten und wegen des Feiertages langen Oktoberwochenendes ging dann alles sehr schnell: Sintflutartige Regenfälle prasselten auf die dünnhäutigen Rieslingtrauben, brachten sie zum Platzen, der Botrytispilz griff rasend schnell um sich und führte zu einer Fäulnis wie wir sie letztmalig 1967 erlebt hatten. Das Ergebnis: Es entwickelte sich Edelfäule, die Oechslewerte schossen in die Höhe. Zeitgleich sorgte das warme Wetter für ein Verdunsten der Flüssigkeit in den Beeren, was die Erträge von Tag zu Tag sehenden Auges schrumpfen ließ. Am 5. Oktober starteten wir in die Rieslinglese, konnten aber erst ab dem 9. Oktober über unsere polnischen Erntehelfer verfügen (der Grund: Wir müssen die Einreise den Behörden zwei Monate zuvor melden, zu einem Zeitpunkt, wo wir den ungefähren Lesebeginn nur abschätzen können. Es lebe die Bürokratie!). Üblicherweise selektieren wir die Trauben in zwei- bis dreimaligen Leseschritten. 2006 ernteten wir so rasch es ging in einem einzigen Arbeitssgang.

Das Ergebnis der Ernte 2006: Eine kleine Menge, weniger Ertrag als in 2005 oder 2003. Die Mostgewichte erklommen neue Höchstwerte! Lag das gewogene Durchschnittsmostgewicht in 2003 noch bei 100° Oechsle, kletterte dieser Wert in 2005 auf 105° und jetzt im Jahre 2006 auf über 110°. - Das ist der gesetzliche Einstiegswert der Beerenauslese! Die Säuren liegen dazu im Vergleich bei ausgezeichneten, Harmonie und Haltbarkeit versprechenden Werten. Wie in den zurückliegenden Jahren auch, werden wir kräftig abstufen müssen, um Ihnen ein gewichtetes Sortiment vom Qualitätswein über alle Stufen der Prädikatsleiter anbieten zu können. Einen Eiswein wird es wie schon 2005 nicht geben. Trotz unumgänglicher Preiserhöhungen erhalten Sie damit heute weit mehr Qualität für Ihr gutes Geld als dies noch vor 10 Jahren der Fall gewesen ist. Dem Klimawandel sei Dank!??!

Diese Entwicklung vollzieht sich vor dem Hintergrund weltweit rasant steigender Nachfrage nach Rieslingweinen. Wir können in der Tat längst nicht mehr alle Aufträge ausführen. Eigentlich ein "angenehmes" Problem, aber ein Problem, das auch das Pendel zum Rück-schwung bringen kann - schneller als erwartet! - Wir haben in diesem Jahr unsere Rebfläche durch Zukäufe in Wehlen, Graach und Mülheim erneut vergrößern können, um die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage nicht zu groß werden zu lassen.

Mülheim/Mosel, 30. November 2006

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