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Erntebericht 2007 - Allenthalben zufriedene Gesichter

Dass das Winzerleben spannend ist, gleicht einer Binsenweisheit – dass es aber auch entspannend sein kann, beweist der aktuelle Jahrgang 2007. Wo man auch hinhört, überall gibt es unter Berufskollegen nur zufriedene Gesichter und große Erleichterung über den Jahrgang 2007.

Weder an der Qualität noch an der geernteten Menge gibt es irgendetwas auszusetzen. Wir sind rundherum zufrieden. Dass 2007 ein Ausnahmejahr werden könnte, zeichnete sich bereits mit dem hochsommerlichen Monat April ab. Es gab keinen einzigen Tag, an dem die Tages-Temperatur unter 20° C gesunken wäre! Die Sonne leistete Rekordstunden, so dass das Rebenwachstum, auch dank des feuchten Spätwinters, mit Riesenschritten einsetzte und für die früheste Rebblüte seit dem legendären Jahrgang 1921 sorgte. Ende Mai war diese schwierige und für die weitere Qualitätsentwicklung entscheidende Hürde genommen. Es folgten vier durchwachsene Sommer- und Frühherbstmonate mit einer sehr kurzen und kräftigen Hitzephase Mitte Juli. Für die Entwicklung der Reben war die Abwechselung von warmen, nicht zu heißen Temperaturen, gelegentlichen Regenfällen und ausreichendem Sonnenschein – alles bewegte sich entlang der langjährigen Mittelwerte – eine ideale Konstellation, die eine frühe Ernte versprach.

Am 1. Oktober starteten wir mit der Riesling-Vorlese und freuten uns den ganzen Monat über sehr sonniges, trockenes Erntewetter mit frischen Nächten. Die Trauben waren sehr reif und blieben kerngesund. Das sollte sich im Gegensatz zum Jahrgang 2006 auch bis zum Ende der Lese am 31. Oktober nicht ändern.

Die lange Vegetationsdauer – wir benötigen ab dem Ende der Blüte 100 Tage, es waren 2007 jedoch ca. 135 Tage – schuf ideale Voraussetzungen für ausgesprochen mineralische und rassige Rieslingweine, die eine sehr reife, dem Jahrgang 2004 vergleichbare, Fruchtsäure, kristallklare Aromen und wunderbare Fruchtbalance aufweisen werden. Wir konnten das gesamte Spektrum der Rieslingweine vom einfachen Qualitätswein bis hin zur Trockenbeerenauslese ernten. Einzig die Eisweintrauben im Mülheimer Helenenkloster warten noch auf eine tiefe Frostnacht. Der Jahrgang 2007 gleicht in Menge und Güte dem Jahrgang 1983.

Die Wertschätzung des Rieslings wächst weltweit ungebrochen, auch wenn wir uns wegen des Dollarverfalls um unseren Absatz in den USA sorgen. Um mit der steigenden Nachfrage Schritt zu halten haben wir in diesem Jahr weitere exzellente Weinberge, und zwar in der Wehlener Sonnenuhr, hinzu erwerben können. Dort steht die Flurbereinigung an, so dass wir unseren Besitz abrunden möchten.

Nach Vollendung seines 90. Lebensjahres hat sich der Senior unseres Weingutes, Herr Oec.-Rat Horst Richter, weitgehend aus dem aktiven Geschehen zurückgezogen - soweit das für einen Vollblutwinzer überhaupt machbar ist. Die nächste Generation, unser Sohn Constantin, erfährt im Rheingau seine Berufsausbildung (European Business School, Oestrich-Winkel, anschließend Fachhochschule für Weinbau, Geisenheim), so dass die Fortführung unseres 1680 gegründeten Unternehmens auch in der 10. Generation gesichert scheint.

Mülheim/Mosel, den 28. November 2007

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