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[Zurück] Erntebericht 2000Der Riesling widersteht der Septemberflut Über „Wohl und Wehe" des Weinjahrganges 2000 entschied der September: Üblicherweise ein sonniger, trockener Spätsommermonat, schüttete Petrus in diesem Jahr die dreifache Regenmenge über unseren Breiten aus! - Frühreifende Traubensorten und schwere, lehmige Standorte litten besonders unter dieser nicht enden wollenden Nässe, wohingegen diese Witterungsunbillen dem spätreifenden Riesling auf steilen, steinigen Schieferböden weit weniger zusetzten.
Um eine grüne Laubwand und gesunde Trauben bis in den Oktober hinein zu retten, war eine termingenaue Bekämpfung pilzlicher Schädlinge ( Peronospora, Oidium und Botrytis) in der Hauptwachstumsphase unerläßlich. Wer zudem den Rebanschnitt stark begrenzt und auch die Zeit zu einer lohnaufwendigen Grünernte (vendange verte) im August gefunden hatte, der wurde mit einer außergewöhnlich guten Weinqualität im Herbst belohnt. Der Jahrgang 2000 wird somit als „neidischer" Herbst in die Annalen eingehen, wie auch als Jahrgang, der sowohl größte Aufmerksamkeit bei der Lese als auch bei der Traubenverarbeitung und späteren Kellerbehandlung erforderlich machte.
Insgesamt lag die Erntemenge in Deutschland mit ca. 10,6 Mio hl knapp 15% unter dem Vorjahresergebnis, an der Mosel sogar um über 25%. Im Weingut MAX FERD. RICHTER ging der Ertrag aufgrund der von uns durchgeführten Anschnittsbegrenzung und Ausdünnung auf 60 hl/ha zurück. Wir ernteten in der Zeit vom 12. Oktober bis zum 11. November. Alle unsere Moste sind Prädikatswein geeignet, wobei wir durch drastisches Abstufen ca. 40% der Menge als Qualitätsweine, weitere 40% als Kabinettweine vermarkten und die restlichen 20% den höheren Prädikaten vorbehalten wollen. Sehr selektives, mehrmaliges und exaktes Auslesen brachte zudem kleine Mengen edelsüßer Kreszenzen bis hin zur Beerenauslese aus dem Graacher Dompropst und einer Trockenbeerenauslese aus der Brauneberger Juffer Sonnenuhr! Für die im Helenenkloster-Weinberg vorbereitete Eisweinlese benötigen wir jetzt frostige Kälte - auch um ein bedrohliches Ansteigen der Mosel zu einem ausgewachsenen Hochwasser zu verhindern!
Die Moste sind teilweise bereits zu Jungweinen geworden und erste Proben zeigen aromatische, intensive Frucht, hohe Dichte und reife, ein langes Flaschenleben garantierende Fruchtsäure! Es ist zu früh, um Aussagen darüber zu treffen, welchem seiner Vorgänger der neue Jahrgang wohl gleichen werde. Es gibt in der Natur keine identischen Jahrgänge - jedoch Parallelen: Hier z.B. zum Jahrgang 1998 - oder weit zurück zum unvergessenen 1967er! Ebenfalls durch eine Septembersintflut geprägt, war dieser Jahrgang in unserem Betrieb überaus gelungen und weckt schönste Erinnerungen!
Der Riesling erfährt weltweit eine wachsende Wertschätzung: In den beiden letzten Jahren hat sich in den USA ein geradezu stürmischer Trend hin zum Riesling entwickelt! - Unsere neuen Absatzerfolge auf dem fünften Kontinent belegen auch hier, daß die Einzigartigkeit dieser edelsten Deutschen Weißweinrebe in dem attraktiven Wettbewerbsumfeld von „down under" geschätzt und anerkannt wird. Aber es müssen erstklassige Qualitäten sein! Und darum möchten wir uns auch in Zukunft mit dieser neuen Ernte und neuem Schwung für das Jahr 2001 bemühen!
Mülheim/Mosel, den 28. November 2000
Dr. Dirk Richter
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