|
[Zurück] Erntebericht 20012001 - Unser größter Jahrgang seit 1959 Der Oktober 2001 begann mit einem Paukenschlag! Erstmals seit 18 Jahren gab es zu Monatsbeginn einen "Sommertag" mit über 25° C .Die Sonne schien fast 30 Tage lang und machte den Oktober zu einem wahrhaft "goldenen", der damit alle Ernteprognosen, die nach dem nassen und kühlen September großer Skepsis gewichen waren, umkehrte und beim Riesling zu einer "Explosion" der Mostgewichte führte.
Die Winzer insgesamt zögerten den Beginn der Lese qualitätsorientiert und risikobewusst hinaus und wurden mit einem großen Jahrgang belohnt: An der Mittelmosel wurden bei geringen Erträgen Mostgewichte erzielt wie sie in dieser Breite seit 1959 nicht mehr vorgekommen sind!
Nach einem kühlen und feuchten Frühjahr, das zu einem verzögerten Austrieb führte, hatte sich gegen Ende Mai warmes und sonniges Wetter eingestellt. Die Rebblüte verlief in der 2. Junihälfte zeitig und problemlos. Die Grundvoraussetzung für einen erneut guten Jahrgang war somit gelegt. Ein feucht-warmer Juli und ein ausgesprochen sonnig-heißer August sorgten für ein rasches Wachsen der Beeren und Ende August hatten die Weinberge einen vielversprechenden Entwicklungsvorsprung von ca. 10 Tagen erreicht. Bereits kurz nach der Blüte führten wir im Weingut eine erste "vendange verte" durch und reduzierten somit den potentiellen Ertrag.
Unsere berechtigten Hoffnungen beendete der überaus regennasse September: Die Entwicklung stagnierte, einsetzende Botrytis machte den Weinbergen zu schaffen, die nicht zeitpunktgenau gegen pilzliche Schädlinge behandelt worden waren. Aber anders als im Jahr zuvor, als das feuchtwarme Klima die Rebblätter sehr stark in Mitleidenschaft gezogen hatte, wirkten die kühlen Temperaturen gleichsam als Schutz vor allzu großen Fäulnisschäden. Ähnlich wie 1990 erlebt reagierten die Reben auf die anhaltend nasskühle Witterung mit einem teilweisen Abwurf von Trauben - eine weitere (natürliche) "vendange verte" und somit Verringerung der Ertragsaussichten!
Die Säurewerte entwickelten sich nur sehr zögerlich, so dass wir beim Erntebeginn am 12.Oktober alle Weinberge einer sorgfältigen Vorlese unterzogen, um sowohl alle stielkranken und botrytisbefallenen Trauben als auch die verbrauchten, teilweise bereits abgestorbenen Blätter in den Traubenzonen zu entfernen. Letztere Maßnahme, Neudeutsch "leaf management" genannt, dient dazu, die Trauben unbeschattet der Sonne auszusetzen und somit eine aromatischere Reifung zu erzielen. Der sonnige Oktober hat uns im Nachhinein bestätigt, daß wir eine goldrichtige Entscheidung getroffen hatten!
Die Hauptlese setzte am 22. Oktober ein und endete am 12. November. Während der letzten 14 Erntetage war das Moseltal bis mittags in dichtem Nebel verpackt, der an den Nachmittagen strahlendem Sonnenschein bis in den frühen Abend wich: Beste Voraussetzungen für die Bildung von Edelfäule und die Mostgewichtszunahme gerade der nach Südwest und West ausgerichteten Weinberge in Mülheim und Veldenz! Das Ernteergebnis übertrifft unsere kühnsten Erwartungen! Alle unsere Moste liegen im hohen Prädikatswein-Bereich und die Phalanx der edelsüßen Weine über große Auslesen, Beeren- und Trockenbeerenauslesen ist stattlich.
Die physiologische Reifung der Trauben ist ähnlich optimal wie 1997. Wir werden Ihnen sehr reintönig rassige Weine mit großer Dichte und feinsten Fruchtaromen anbieten können. Im Gegensatz zu 1959 verfügen die Moste des Jahrgangs 2001 über eine höhere, lange Haltbarkeit versprechende reife Fruchtsäure, vergleichbar der des Jahrgangs 1971! Mit 45 hl/ha ist die Erntemenge in unserem Weingut klein. Insgesamt wird auch die Deutsche Weinernte mit derzeit noch geschätzten 9 Mio Hl unterdurchschnittlich ausfallen.
Dieser Jahrgang trifft auf einen Markt, der der weltweit steigenden Wertschätzung des Rieslings einen weiteren Schub verleihen und die Riesling Fan-Gemeinde weiter anwachsen lassen wird. Nicht nur auf unseren Exportmärkten, auch hierzulande ist eindeutig unter anspruchsvollen Weinfreunden ein Trend zum Riesling auszumachen. Die Riesling-Renaissance ist da!
Wie in jedem Jahr hoffen wir nunmehr auf frostige Temperaturen, um unseren Eiswein im Mülheimer Helenenkloster ernten zu können. Bitte drücken Sie uns die Daumen!
Mülheim/Mosel, den 23. November 2001
Dr. Dirk Richter [Zurück] |