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Erntebericht 2002

2002 - Trauern um verpasste Chancen

Regennasses Erntewetter trieb die Winzer an Mosel-Saar-Ruwer in diesem Herbst zu schierer Verzweifelung: Kaum ein Tag an dem sich nicht ängstliche Blicke gen Himmel richteten, um während der wenigen trockenen Phasen die Ernte "nach Hause stehlen" zu können.

Die Erwartungen waren aufgrund der Vegetationsentwicklung zurecht hoch gesteckt.
Einem frühen Austrieb Mitte April mit raschem Ergrünen der Moselhänge folgte erneut eine Bilderbuchblüte Mitte Juni. Zur Jahresmitte hatten wir einen Vegetationsvorsprung von gut 10 Tagen erreicht, der trotz des feuchten, aber warmen Sommers bis in den Oktober hinein anhielt. Wer beim Rebschutz dieser Entwicklung Rechnung getragen hatte, konnte sich über gesundes Lesegut freuen und somit den Grundstein zur Erzielung reintönig fruchtiger Weine legen.

Nach einem sonnigen und trockenen September - getrübt durch ein schweres Hagelgewitter am 22. des Monats, das unsere Ernte im Graacher Himmelreich zur Hälfte vernichtete - hofften wir auf einen herausragend guten Jahrgang und zögerten den Erntebeginn hinaus, um der Fruchtsäure den letzten reifenden Schliff zu gönnen. Als die Lese am 14. Oktober einsetzte,
fiel die Ernte dann zeitgleich mit der beginnenden Regenperiode zusammen.

Den gesunden Rieslingtrauben konnte das Wetter erstaunlich wenig anhaben, die edelfaulen Trauben hingegen quollen durch das Wasser auf und mussten mühsam entfernt werden. Ein zweimaliges Vorlesen der Parzellen war unerlässlich. Der durchaus mögliche Superjahrgang hat sich also nicht eingestellt, dennoch sind die Ernteergebnisse überraschend gut! Wir haben kaum Rieslingmoste unter 85° Oechsle geerntet und werden Ihnen somit im kommenden Jahr sehr gute und gehaltvolle Qualitäts-, Kabinett- und Spätleseweine anbieten können.
Es fehlen uns jedoch nennenswert edelsüße Weine.

Mit 65 hl/ha haben wir einen guten und ausreichenden Ertrag eingebracht. Die ersten Jungweine bestechen durch aromatische Frucht und harmonische Balance und erinnern an die Jahrgänge 1998 und 1992. Wir "jammern" also auf hohem Niveau!!!

Jetzt hoffen wir auf deutlich kühlere Tage: Der Eiswein muß noch unter Dach und Fach. Der Eiswein des Jahrgangs 2001, den wir am 24. Dezember ernten konnten, wurde vom Gault Millau WineGuide mit der absoluten Höchstnote von 100 Punkten bewertet und zum besten edelsüßen Wein des Jahres gewählt. Diese hohe Auszeichnung ist mehr als Ansporn, unseren Weg, große Weine zu erzeugen, fortzusetzen. Trotz der wirtschaftlichen Probleme unseres Landes ist weltweit die Nachfrage nach anspruchsvollen Rieslingweinen ungebrochen.
Im abgelaufenen Jahr konnten wir Russland als neuen Absatzmarkt hinzugewinnen und an alte Bindungen anknüpfen, die 1914 mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges endeten; dennoch bleiben Japan, die USA und Großbritannien unsere wichtigsten Exportländer.

Mülheim/Mosel, den 3. Dezember 2002

Dr. Dirk Richter

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